 | [Ausgabe vom 4. Februar 2004] |
Plagiartdirektor Michael Schirner: Der ADC schreckt vor nichts zurück!
Michael Schirner ist zum Ehrenmitglied des ADC gewählt worden. Ja, liebe Lesergemeinde, Ihr habt richtig gelesen: Der einschlägig bekannte Plagiartdirektor Schirner, der sich so gern und häufig mit fremden Federn geschmückt hat, sodass die wahren Urheber gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen mussten, dieser Kupferstecher und Gschaftlhuber soll Platz nehmen in der Ehrenloge vom Art Directors Club für Deutschland. Kein Wunder, dass der momentane Hit in der Branche eine Website ist, wo der Herr Professor und Plagiartdirektor Schirner entsprechend gewürdigt wird: http://rulf.neigenfind.com/. Und wenn der ADC die Wahl nicht rückgängig macht, dann wissen wir, was wir davon zu halten haben. [Spiesser Alfons]
 | [Ausgabe vom 4. Februar 2004] |
Werbers Neid und Missgunst
Im Vorfeld des Kreativ-Gipfels des deutschen Art Directors Club (ADC) zeigen sich erneut Neid und Missgunst. Alt-ADCler Rulf Neigenfind lässt auf einer eigens eingerichteten Web-Site die Abwahl des Ehrenmitglieds 2003 diskutieren. Der Werber Michael Schirner, ob seiner Lebensleistung ausgezeichnet, verdiene diesen Titel nicht. Ausserdem sei der ADC «eine Vereinigung der Ahnungslosen in der Hand der Skrupellosen». 30-Euro-T-Shirts mit Sprüchen wie «Nagelst Du mich, nagel ich dich» beschreiben die mutmassliche Praxis bei der Vergabe der «Goldenen Nägel» als Kreativpreise des ADC. [...] Staatstragend ungerührt reagierte der ADC-Vorsitzende Sebastian Turner (S&F). Er [...] erinnerte an das Sprichwort «Was stört es die solze Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr schubbert...»
| [Ausgabe vom 9. Februar 2004] |
Kreative im Clinch
In der Werbeszene brodelt es weiter: Nach dem Streit zwischen den Agenturen Jung von Matt und BBDO um den Grosskunden Sixt gibt es jetzt Zoff im Renommierverein der Reklamezunft, dem Art Directors Club (ADC). Hintergrund ist eine Personalie: Michael Schirner, streitbarer «Werbepapst» und mittlerweile Professor für Grafikdesign, soll zum ADC-Ehrenmitglied gekürt werden—so hatte es eine Mitgliederversammlung im September beschlossen. Gegen dieses Votum wettert ADCler Rulf Neigenfind, selbst mehrfach ADC-prämiert, auf einer eigens eingerichteten Internet-Seite und in Mails an die Clubmitglieder. Schirner habe sich häufig mit fremden Federn geschmückt und sei deshalb «unwürdig», schimpft Neigenfind und holt auch gegen den Club aus: «Der ADC ist zu einem Kartell weniger Agenturen und einem Selbstbedienungsladen verkommen.» Schirner selbst bezeichnet die Vorwürfe als «absurd und falsch» und will die Auszeichnung annehmen. ADC-Vorstand Sebastian Turner wehrt sich gegen den Kartellvorwurf mit dem Hinweis, bei ausländischen Wettbewerben würden die kritisierten Agenturen ebenfalls regelmässig Kreativpreise gewinnen. Auch am Ehrenmitglied Schirner halte man fest: «Hätten wir gewusst, dass Schirner noch heute so polarisiert, hätten wir ihn wahrscheinlich noch lieber gewählt.»
 | [Ausgabe vom 12. Februar 2004] |
ADC will Neigenfind ausbremsen
Der Zoff zwischen dem Art Directors Club und dem ADC-Kreativen Rulf Neigenfind geht in die Endrunde. Dabei fordert Neigenfind die Abwahl des im September gekürten Ehrenmitglieds Michael Schirner. Sein Vorwurf an den ADC: Schirner werde der Ehre nichht gerecht, viele ihm zugesprochene Leistungen seien nicht von ihm. Auf einer eigens von Neigenfind kreierten Website tobt eine heftige Diskussion (http://rulf.neigenfind.com).
Noch bis zum 13. Februar hat der vielfach ausgezeichnete Kreative Zeit, 42 schriftliche Anträge für die Abwahl des Ehrenmitglieds auf dem Mitgliedertreffen am 19. März zu sammeln. Jetzt macht der ADC dem Kreativen einen Strich durch die Rechnung: Die Anträge dürfen nicht per Fax oder Mail eingereicht werden. «Wir brauchen die Originnal-Unterschrift», erklärt die ADC-Geschäftsführung. Neigenfind hält das für ein Bremsmanöver: «Weder mit der ADC-Satzung noch mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch lässt sich diese Anforderung begründen.»
Der ADC hält dagegen: «Wir haben uns bei unserem Hausjuristen informiert, der empfahl uns diese Vorgehensweise.» Ob Neigenfind die 42 Anträge rechtzeitig zusammenbekommt, ist offen.
Selbst die ADC-Vorstände Sebastian Turner und Hans-Joachim Berndt sind in die teils hitzige, auf alle Fälle aber spannende Online-Diskussion eingestiegen, die sich längst nicht mehr auf das umstrittene Ehrenmitglied beschränkt, sondern inzwischen auf den ADC als Ganzes abzielt.
Ehrenmitglied Schirner schweigt zu den Vorwürfen: «Ich habe die Wahl angenommen. Dass ich mich in dieser Diskussion zu Wort melde, ist nicht erforderlich.»
W&V-Kommentar: Joachim Scholz über das Duell Rulf Neigenfind vs. ADC
Rulf Neigenfinds Antipathie gegen das neue ADC-Ehrenmitglied Michael Schirner und die Vehemenz, mit der er dessen Abwahl anstrebt, sind beachtlich. Die Anti-Schirner-Website des prämierten Kreativen hat innerhalb weniger Tage mehr Besucher gefunden als die ADC-Site in vielen Monaten.
Der angegriffene Verband versteift sich indes darauf, dass Schirner ordnungsgemäss gewählt wurde. Darüber hinaus gäbe es zu diesem Thema nichts zu sagen.
Das ist Krisen-PR, vor der uns die Altgedienten der Branche immer gewarnt haben. Denn die satzungskonforme Wahl zweifelt keiner an, auch Neigenfind nicht. Die lebhafte Diskussion auf seiner Site hat inzwischen jedoch eine viel grundsätzlichere Dimension erreicht. Das scheint dem ADC entgangen zu sein. Der ganze Verband wird in Frage gestellt. Mauscheleien und Absprachen beim Kreativwettbewerb und die Rolle des Vorstands stehen auf der Agenda.
Auch wenn nicht alle ADC-Mitglieder Stellung beziehen und manche Online-Diskutanten gar nicht im Club der Kreativen sind—der Verband sollte Stellung beziehen und die Diskussion auch als Chance betrachten. Es reicht nicht, Teilnehmern, die sich im Ton vergriffen haben, mit rechtlichen Schritten zu drohen, wie es ADC-Vorstand Hans-Joachim Berndt machte.
Einfach nur zu warten, dass sich der Surm von selbst legt, ist der falsche Weg. Neben den Branchenmagazinen haben auch «Spiegel» und «Handelsblatt» das Thema aufgegriffen. Reagiert der ADC nicht aktiv, wird er Schaden nehmen.
 | [Ausgabe vom 12. Februar 2004] |
Medienschau
«"Spiegel" über Schirner: Nach der grossen Geschichte über den BBDO/JvM-Streit bleibt der "Spiegel" am Ball, wenn es um "Kreative im Clinch" geht. Nun ist es die Ehrenmitgliedschaft von Michael Schirner, mittlerweile Professor für Grafikdesign, im ADC. Gegen diese wettert ADC-Mitglied Rulf Neigenfind: "Der ADC ist zu einem Kartell weniger Agenturen und einem Selbstbedienungsladen verkommen." Allerdings: Das sind alte Kamellen. Muss im "Spiegel" neuerdings ein Standardformat für Zoff in der Werbeszene gefüllt werden?»

 | [Ausgabe vom 25. Februar 2004] |
Diskussion um den ADC
Verbandskritiker Rulf Neigenfind fährt neue Geschütze gegen den Art Directors Club (ADC) auf: «Die Wahlen des Ehrenmitglieds 2003 und des Kunden des Jahres 2003 sind ungültig,» behauptet er. Das habe die Überprüfung durch seinen Juristen ergeben.
Grund: Neben den 77 anwesenden Mitgliedern hätten weitere übertragene Stimmen bei der Wahl berücksichtigt werden müssen. Das sei nicht passiert. «Dieses Versäumnis wird von mehreren Teilnehmern an der Jahreshauptversammlung bestätigt,» so Neigenfind. Er wird die Wahl anfechten.
Bislang sammelte der Kreative auf einer Website (rulf.neigenfind.com) Stimmen für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Auf dieser sollte die Wahl Michael Schirners zum Ehrenmitglied kritisch diskutiert werden. Schirner werde der Auszeichnung nicht gerecht, viele ihm zugeschriebene Leistungen seien nicht von ihm, so Neigenfind (w&v 7/04).
Der ADC akzeptierte die Online-Anträge aus juristischen Gründen nicht und bestand auf dem postalischen Weg. Bei der Überprüfung der ADC-Argumentation sei sein Anwalt auf den Formfehler gestoßen, so Neigenfind. Auch wenn die Stimmensammlung abgebrochen ist, bleibt seine Website online: «Ich will eine Diskussion über die Zukunft des ADC.»
 | [Ausgabe vom 3. März 2004] |
MEDIEN-MENSCHEN. Peter Heinleins Kolumne
Der mit kreativem Engagement geführte Streit innerhalb des Art Directors Club (ADC) um die Wahl eines Ehrenmitglieds hat sich verhärtet. Beide Seiten haben Anwälte, die der jeweils anderen Partei die Ungültigkeit beziehungsweise Bedeutungslosigkeit ihrer Aktionen vorhalten. Der Weg zum Gericht ist vorgezeichnet. Längst geht es im Club der Werber, Designer, Fotografen und Artdirektoren um Grundsätzliches und Kleingedrucktes. Weder die Wahl des Grafikprofessors Michael Schirner noch die des baden-württembergischen Staatsministeriums zum Kunden des Jahres sei gültig. Alles werde angefochten, kündigt Rebell Rulf Neigenfind, ein in Frankreich lebender, in England arbeitender deutscher Markenberater, nach Rücksprache mit seinen Juristen an. Der ADC überlässt Weiteres auch seinem Anwalt und verweist inoffiziell einerseits darauf, dass Neigenfind mit der Einschaltung des Anwalts den Komment unter Mitgliedern verlassen habe. Andererseits sei ja auch sein Lebenslauf viel sagend... Wenn das so weitergeht, dürfte Neigenfind angesichts zunehmender Attacken unter den individualistischen ADC-Leuten eine Menge Sympathisanten finden. Dann fliegt dem ADC womöglich noch einiges um die Ohren, bevor er im Herbst sein 40-jähriges Bestehen feiern kann.
 | [Ausgabe vom 8. März 2004] |
"ADC ist eine peinliche Lachnummer"
Fans von Rulf Neigenfind reagieren mit Spott und Hohn auf die Mitteilung des Art Directors Club Deutschland (ADC), der Streit um das Ehrenmitglied Michael Schirner sei nun beigelegt. Der in Paris lebende Werber Neigenfind hatte seine Stimmensammlung für eine außerordentliche Mitgliederversammlung des ADC abgebrochen, weil er die nötige Anzahl dafür nicht erreicht hatte. Der ADC begrüßte das Ende der Auseinandersetzung und kritisierte Neigenfind als "schlechten Verlierer". Neigenfind betreibt seit Wochen das Chat-Forum "Schwarzes Brett" im Internet, um Stimmen zum ADC und seinem Ehrenmitglied Schirner zu sammeln.
Dort haben nur Wenige für die Mitteilung des ADC Verständnis. Michael Frey glaubt zum Beispiel, dass "irgendwo ein Bauunternehmer" die Schädel des ADC-Vorstands "mit Beton (hat) ausgießen lassen." Fritz Reuter spricht von einer "peinlichen Lachnummer". Und Jean Lessenich schlägt vor: "Mitgliedsbeiträge nicht mehr zahlen, austreten, bis der Club der toten Dichter eingeht."
 | [Ausgabe vom 9. März 2004] |
Der «Kunde des Jahres» entzweit die Werbeprofis Von Andreas Müller
Proteste gegen Ehrung Palmers für die Imagekampagne. Eigentlich soll das Fest eine Werbung für die Werbung sein. Doch die Vergabe der begehrten Reklamepreise in Berlin droht ins Gegenteil zu kippen: Die Wahl Baden-Württembergs zum besten Auftraggeber ist in der Branche heftig umstritten.
Mit Auszeichnungen ist die Image-Kampagne des Landes («Wir können alles - außer Hochdeutsch») geradezu überhäuft worden. Eine Bronzemedaille beim Internationalen New York Festival, eine Silbermedaille beim Deutschen Plakat Grand Prix, ein erster Preis beim London International Advertising Award und und und - 17-mal wurden die von der Berliner Agentur Scholz & Friends konzipierten Fernsehspots, Zeitungsanzeigen und Banner seit 1999 bereits prämiert. Nicht nur bei den Adressaten, rühmt sich das zuständige Staatsministerium, auch in der Werbebranche ernte die millionenschwere Kampagne Anerkennung und Lob.
Nun soll eine weitere Ehrung hinzukommen. Am übernächsten Samstag feiern die Werber in Berlin ein rauschendes Fest: 2500 Gäste werden im Tempodrom zur alljährlichen «ADC Awards Show» erwartet, dem vom Art Directors Club organisierten Gipfeltreffen der Branche. Die Creme der Kreativen begeht dort nicht nur ihr 40-Jahr-Jubiläum, sie kürt auch die besten Kampagnen - und den «Kunden des Jahres». Für 2003 ist das das Land Baden-Württemberg, genauer: der Staatsminister Christoph Palmer (CDU) und sein für die Imagewerbung zuständiger Mitarbeiter Michael Hörrmann. Droben auf der Bühne erhalten die beiden die Urkunde und ein Überraschungsgeschenk, das noch streng geheim gehalten wird.
Doch die schöne Auszeichnung wird von einem unschönen Streit überschattet, der seit Wochen schwelt und jetzt an die Öffentlichkeit dringt. In der Branche wird nicht nur kritisch hinterfragt, ob der Titel wirklich Baden-Württemberg gebühre und nicht einem anderen. Es kursieren auch Vorwürfe wie Mauschelei oder Selbstbedienung, und ein ADC-Mitglied geht gar gerichtlich gegen die Wahl vor. Womöglich kann die Kunden-Kür deshalb nicht wie geplant stattfinden.
Zwei Kandidaten standen zur Wahl, als die Mitgliederversammlung im vorigen Herbst abstimmte: die Audi AG und das Stuttgarter Staatsministerium. Mit Zweidrittelmehrheit entschieden sich die 77 anwesenden (von insgesamt 427) ADC-Mitgliedern für Baden-Württemberg. Begründung: Das Land habe in der Länderwerbung «mit Humor kreative Maßstäbe gesetzt» und sei damit sogar «zum Vorbild für die Privatwirtschaft» geworden. Audi, bereits im vorigen Jahr in der Endrunde, ging wieder leer aus.
Doch in dem Renommierverein der Reklamezunft wird, wie Insider klagen, «über alles gemotzt» - und prompt auch über den angeblich besten Auftraggeber. Im Fachblatt «Werben & Verkaufen» machte Reinhard Siemes, ein ehemaliges ADC-Mitglied, die Mäkeleien jüngst publik. Nur einer glänzenden Präsentation verdanke Scholz & Friends seinen Erfolg, der Vertreter der Audi-Agentur sei einfach zu arrogant aufgetreten. Tatsächlich hätten die Autobauer - sie gelten seit langem als «idealer Kunde» - den Titel allemal mehr verdient als «Beamte, die sich zu einer vergleichsweise erfrischenden Kampagne hinreißen lassen». Irrtum, widerspricht die ADC-Spitze: Wenn ausgerechnet ein Bundesland eine Schneise für gute Werbung schlage, sei das die größere Leistung.
Schwerer trifft die Vereinsoberen ein anderer Verdacht: Es sei wohl kaum Zufall, so Siemes, dass die Wahl wieder einmal auf einen Kunden von Scholz & Friends fiel - die Agentur des amtierenden ADC-Vorstandssprechers Sebastian Turner. Der Berliner Werbestar, hört man in der Szene, nutze den Vereinsposten geschickt fürs Geschäft. «Mit einer gelungenen Inszenierung», spottet der Stuttgarter Fotograf und Art Direktor Dietmar Henneka, «hat er sich selbst und unseren Provinzpolitiker Palmer ins Berliner Scheinwerferlicht bugsiert.» Turner möchte sich dazu nicht äußern: «Ich bin in der Sache befangen.» Aber Branchenkenner verweisen darauf, dass die Zunft von einigen großen Agenturen dominiert werde. Da sei es nahezu unvermeidlich, dass die auch einen Großteil der Preise absahnten. «Der ADC ist zu einem Kartell weniger Agenturen und einem Selbstbedienungsladen verkommen», schimpft das langjährige Mitglied Rulf Neigenfind (früher Stuttgart, heute Paris).
Nun möchte der Verbandskritiker der Verbandsspitze in die Parade fahren: Von seinem Anwalt lässt er die Wahl des Kunden des Jahren gerichtlich anfechten. Weil die übertragenen Stimmen unter den Tisch fielen, so sein Einwand, sei die Kür satzungswidrig und damit ungültig. Neigenfind gibt sich siegessicher, der ADC ebenfalls: Das Verfahren sei inzwischen zum Gewohnheitsrecht geworden. Intern wappnen sich die Art Direktoren freilich für eine juristische Niederlage. Dann werde man eben im Vorstand neu beschließen oder, schlimmstenfalls, auf den Ausdruck «Kunde» verzichten: «Die Verleihung findet auf jeden Fall statt.»
Die Freude der Sieger dürfte durch das Hauen und Stechen hinter den Kulissen indes getrübt sein. «An Palmers Stelle», sagt der Stuttgarter Henneka, «würde ich mir reiflich überlegen, ob ich da hingehe.»
 | [Ausgabe vom 9. März 2004] |
Schlammschlacht unter Veteranen Von Heribert Brinkmann
Der Düsseldorfer Werber Michael Schirner wird Ehrenmitglied des Art Director’s Club
Robert Gernhardt erhält in diesem Jahr den Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Einen anderen hat er auch schon: Er ist seit 2002 Ehrenmitglied des ADC, des Art Director’s Club Deut schland. Wie auch Willi Fleckhaus, Vater des modernen Zeitschriften-Layouts, Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein, Loriot, Heinz Edelmann oder Helmut Newton. Am 20. März soll nun ganz offiziell dem Düsseldorfer Werber Michael Schirner in Berlin die Urkunde als Ehrenmitglied überreicht werden. Der Kreative war im Herbst 2003 bei der Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit gewählt worden.
Doch seit die Nachricht im September raus ist, gibt es Zoff im Renommierverein der Werbeszene. Gegen Schirners Nominierung protestiert Rulf Neigenfind, ebenfalls ADC Mitglied. Begründung: Der selbst ernannte Werbepapst sei unwürdig, weil er sich häufig mit fremden Federn geschmückt habe. Im Internet startete der in Paris lebende Neigenfind, der heute in England für große Marken tätig ist, eine Kampagne, um Schirner abwählen zu lassen. Die erforderliche Anzahl von zehn Prozent der ADC-Mitglieder konnte er allerdings nicht erreichen.
Damit steht der Ehrenmitgliedschaft des Düsseldorfer Kreativen nichts mehr im Wege. Der heute 63-Jährige hat Werbegeschichte geschrieben. 1969 fing er als Texter bei Young and Rubicom an, 1971 gründete er mit Ben Oyne, Peter Geilenberg und Joachim Keller die Hamburger Edeladresse GKO&S. 1974 holte ihn Paul Gredinger als Geschäftsführer und Creative Director zu GGK nach Düsseldorf. In dieser Position beschwor Schirner die Renaissance des Plakats, propagierte den Anspruch Kunst gleich Werbung. Die GGK Kampagnen von Post, Porst und Pfanni bis Jägermeister, IBM und Zucker waren stilbildend. 1984 verließ Schirner die GGK, um dann alleine mit der KKG und der Michael Schirner Werbe- und Projekt Agentur weiterzumachen. 2001 brachte er seine Agentur in die Eggert Group ein, für die er heute als freier Berater tätig ist. Drei Tage in der Woche arbeitet er in Karlsruhe, um am Institut für Kunst und Medien zu unterrichten.
Neigenfinds Kampagne gegen ihn sei an ihm spurlos vorübergegangen - sagt er. Der Streit beruhe auf einer uralten Geschichte. Während Schirner GGK-Geschäftsführer in Düsseldorf war, wurde Neigenfind Geschäftsführer bei GGK Stuttgart. Man habe sich im Streit getrennt. Und der Vorwurf fremder Federn? In der Werbung arbeiteten immer Teams zusammen, Preise und Auszeichnungen gelten immer für alle Beteiligten.
 | [Ausgabe vom 15. März 2004] |
Wenig Harmonie herrscht derzeit auch beim Art Directors Club (ADC):
Mitglied Rulf Neigenfind, selbst mehrfach ADC-ausgezeichnet, wettert auf einer eigenen Internetseite gegen die Ernennung seines Kollegen Michael Schirner zum Ehrenmitglied – und bezeichnet den ADC als „eine Vereinigung von Ahnungslosen in der Hand von Skrupellosen“. Schirner, gerne als „Werbepapst“ apostrophiert, habe sich mit fremden Federn geschmückt und heftig an seiner eigenen Legende gestrickt, so versucht Neigenfind in ausführlichen Fallbeispielen darzustellen. Auch das Werber-Fachblatt Horizont bezeichnete Schirner in einer Glosse als „Plagiartdirektor“. http://rulf.neigenfind.com/
 | [Ausgabe vom 15. März 2004] |
«Herrliche Komöde mit kuriosem Finale»
Der Art Directors Club Deutschland (ADC) und Rulf Neigenfind haben ihre
Auseinandersetzung um das Ehrenmitglied Michael Schirner für beendet
erklärt. Der ADC-Vorstand sicherte Neigenfind zu, Schirner auf der nächsten
Mitgliederversammlung im September nochmals bestätigen zu lassen. Rulf
Neigenfind verzichtet im Gegenzug auf Rechtsmittel, mit denen er die Wahl
Schirners anfechten wollte.
«Der ADC-Vorstand kommt mir mit dieser Vereinbarung sehr entgegen», sagt Rulf
Neigenfind. Bis September sei nun genug Zeit zu klären, ob die Vorwürfe
gegen Michael Schirner das Ansehen des ADC tatsächlich geschädigt hätten.
Bis dahin könnten sich die Mitglieder des ADC selbst eine Meinung bilden. In
Neigenfinds Chat-Room «Schwarzes Brett» sind nicht alle Neigenfinds Meinung.
Einige kritisieren ihn dafür, dass er dem ADC-Vorstand nachgegeben habe.
Andere halten das Vorgehen des ADC für fragwürdig. Jürgen Nerger schreibt:
«Eine herrliche Komödie mit einem kuriosen Finale.»
 | [Ausgabe vom 15. März 2004] |
Der ADC und sein Mitglied Neigenfind vertragen sich wieder
Der ADC-Vorstand unter Präsident Sebastian Turner (Scholz & Friends) hat mit seinem rebellischen Mitglied, dem Pariser Rulf Neigenfind, einen Kompromiss geschlossen, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren. Zur Erinnerung: Neigenfind hatte versucht, die Wahl von Altmeister Michael Schirner zum Ehrenmitglied anzufechten. Hatte zu diesem Zweck versucht, eine außerordentliche Mitglieder-Versammlung einzuberufen, die dafür nötigen 10 Prozent der Mitglieder aber nicht auf seine Seite bekommen. Neigenfind hatte dann mit rechtlichen Schritten gedroht, nicht zuletzt auch gegen die Veröffentlichung des diesjährigen ADC-Buches mit eben jenem Schirner als Ehrenmitglied darin. Mit dem Schmelzen des Wintereises ist diese Kuh jetzt da runter. Neigenfind verzichtet von sich aus auf alle rechtlichen Schritte, Schirner wird Ehrenmitglied und das ADC-Buch wird erscheinen. Im Gegenzug wird der ADC auf seiner nächsten ordentlichen Mitglieder-Versammlung den Modus der Wahl zum Ehrenmitglied noch einmal eingehend diskutieren und bestätigen. Das ging gerade noch mal gut, die Party, pardon: der Kreativwettbewerb des ADC am nächsten Wochenende kann ungehindert abgehen.
 | [Ausgabe vom 15. März 2004] |
ADC-interner Streit rechtzeitig beendet
Der ADC-interne Streit um die Gültigkeit der Wahlen zum Ehrenmitglied 2003 und zum Kunden des Jahres ist beendet. Gerade noch rechtzeitig vor dem jährlichen ADC Fest in der nächsten Woche. Das haben ADC Vorstand Sebastian Turner und ADC Rebell Rulf Neigenfind am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung festgestellt. Die von Neigenfind angefochtene Wahl von Designprofessor Michael Schirner zum Ehrenmitglied soll auf der nächsten Mitgliederversammlung in einem "satzungskonformen Wahlgang" bestätigt werden. Neigenfind erklärte im Gegenzug, er werde auf juristische Schritte verzichten und sich konstruktiv an Debatten um Belange des ADC beteiligen. Der Streit war seit Januar erbittert in Internet-öffentlicher Diskussion geführt worden, und drohte, aufgrund der Zuspitzung auf Grundsätzliches, die durch die Zuziehung von Anwälten verursacht worden war, den Art Directors Club in seinen Grundfesten zu erschüttern. Ehrenmitglied Schirner dürfte auf dem ADC Fest dennoch geehrt werden und auch der unter gleichen Wahlumständen gekürte Kunde des Jahres, das Land Baden-Württemberg, dürfte seine Ehrung bekommen. Ob noch weitere Wahlenvorgänge "satzungskonform" wiederholt werden müssen, steht noch nicht fest.
 | [Ausgabe vom 17. März 2004] |
MEDIEN-MENSCHEN. Peter Heinleins Kolumne
Dem vom deutschen Art Directors Club für seine Werbekampagne («Wir können alles, ausser Hochdeutsch») gekürten Kunden des Jahres, dem Staatsminister von Baden-Württemberg, Christoph Palmer, war gestern nicht wohl in seiner Haut. Sollte er die für Sonnabend geplante Ehrung schwänzen, weil Zweifel bestehen an der Gültigkeit vieler Wahlvorgänge innerhalb des ADC? Der Clubvorstand hat keine Zweifel, aber als Politiker fiel es Palmer nicht leicht, sich auf eine strittige Wahl einzulassen. Auch gegen die Wahl des Ehrenmitglieds, des Grafik-Professors Michael Schirner, hatte ADC Mitglied Rulf Neigenfind öffentlich protestiert, einigte sich jedoch mit dem Vorstand, dass die Wahl wiederholt wird. Schirner wird also beim ADC-Fest zwar geehrt, die Bestätigung dessen jedoch erst bei der Mitgliederversammlung im Herbst erfolgen. Neigenfind hatte juristisch gegen die Wahlen vorgehen, der ADC ihm im Gegenzug mit Schadensersatzforderungen und anderen Klagen belegen wollen. Der öffentlich geführte Streit geht weiter.
 | [Ausgabe vom 19. März 2004] |
Ein Weekend in Berlin Editorial von Hanspeter Heckel
Ein spannendes ADC-Wochenende an der Spree erwartet die Branche. Wer sahnt beispielsweise das Gros der goldenen, silbernen und bronzenen Nägel ab? Diese Frage stellt sich wohl jeder, der mit Werbung zu tun hat.
Sind es wie in jedem Jahr die üblichen Verdächtigen? Also Springer & Jacoby, Jung von Matt, Scholz & Friends oder Ogilvy & Mather, um nur einige zu nennen? Oder kann die in den guten, alten Zeiten - lang, lang ist's her - so kreative DDB wieder in die Phalanx eindringen? Wir erinnern uns: Die Kampagne für den Golf V sorgte im vergangenen Herbst gerade unter den Kreativen für reichlich Diskussions- und Zündstoff.
Ein heißes Thema wird mit Sicherheit aber auch die Auseinandersetzung zwischen dem ADC und dem im Paris lebenden Kreativen Rulf Neigenfind sein. Seit Jahresanfang betrieb der auf seiner eigens installierten Website eine Kampagne zur Abwahl des Ehrenmitglieds Michael Schirner.
Man mag dazu stehen, wie man will, am Ende des Tages bleibt doch ein schales Gefühl. Sehr professionell hat sich der Club der Kreativen in der Auseinandersetzung nicht verhalten. Weder im Neigenfind-Diskussionsforum noch in den Verlautbarungen an die Branche. Schade - ein unangenehmer Disput gehört zum beruflichen Alltag, und damit auch zum Club. Immerhin: Diverse ADC-Mitglieder pflegten (und pflegen hoffentlich weiterhin) den kontroversen Diskurs. Dann bleibt's auch künftig spannend in Berlin...
 | [Ausgabe vom 19. März 2004] |
ADC steht vor der Nagelprobe Titelstory von Joachim Scholz und Heike Schmidt
NICHT ERST SEIT DER HITZIG GEFÜHRTEN DISKUSSION UM DAS EHRENMITGLIED 2003 STEHT DER ADC IN DER KRITIK. ZUM 40-JÄHRIGEN BESTEHEN MUSS SICH DER KREATIVCLUB ANHÖREN, ER FÖRDERE EINE KLÜNGELWIRTSCHAFT UM PREISE UND POSTEN UND MUTIERE IMMER MEHR ZUM MARKETINGINSTRUMENT. DOCH DIE MITGLIEDSCHAFT IST SO BEGEHRT WIE NIE. MIT MEHR ALS 400 MITGLIEDERN STEHT DER CLUB VOR DEN WOHL TIEFGREIFENDSTEN VERÄNDERUNGEN IN SEINER GESCHICHTE.
Würde man das Bild des Art Directors Club (ADC) mit dem eines Werbers gleichsetzen, erschiene der Gute wohl mit einem blauen Auge und ein paar Kratzern im Gesicht zur Preisverleihung am 19. März in Berlin. Prügel gab es für den ADC schon immer, doch in den vergangenen Wochen ballte sich die Häme um den Elite-Club aus den eigenen Reihen. Von einer "peinlichen Lachnummer" oder "Club der toten Dichter" war da die Rede.
Auslöser der Schmähungen: Auf einer eigens kreierten Website forderte Alt-ADC-Mitglied Rulf Neigenfind die Abwahl des im September 2003 gekürten Ehrenmitglieds Michael Schirner. Neigenfinds Vorwurf an den ADC: Schirner werde der Ehre nicht gerecht, viele ihm zugesprochene Leistungen seien nicht von ihm. Mehr noch: Die Wahl des Ehrenmitglieds und des Kunden des Jahres sei ungültig, behauptet Neigenfind - gestützt auf ein anwaltliches Gutachten. Neben den 77 anwesenden Mitgliedern hätten weitere übertragene Stimmen bei der Wahl berücksichtigt werden müssen (w&v 7/04).
Nun haben sich die Parteien geeinigt. Der ADC-Vorstand sichert zu, Schirner auf der nächsten Mitgliederversammlung in einem satzungskonformen Wahlgang bestätigen zu lassen. Dafür wird Neigenfind auf "Rechtsmittel gegen die vergangenen Wahlen verzichten", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die Feier im Berliner Tempodrom kann also ohne juristische Scharmützel über die Bühne gehen - zumindest auf offizieller Ebene, .
Auf der Neigenfind-Website ist jedoch weiterhin eine hitzige Diskussion im Gange, die sich längst nicht mehr auf das umstrittene Ehrenmitglied Schirner beschränkt, sondern inzwischen den Kreativclub als Ganzes zum Thema hat. Noch nie war der Ton gegen den ADC derart scharf, und noch nie wurden Konflikte so öffentlichkeitswirksam ausgetragen.
Doch das liegt vielleicht in der Natur der Sache: Der 1964 gegründete Art Directors Club befindet sich zurzeit im Umbruch. Mit aktuell 420 Mitgliedern wandelt sich der Verein von einer Elite-Truppe, die hauptsächlich nach innen wirkte, zu einem Interessenverband, der mehr und mehr nach außen gerichtet ist.
Zum reinen Marketinginstrument sei der ADC geworden, klagen daher viele Mitglieder. Bei der Verleihung der ADC-Nägel zähle nicht die kreative Exzellenz der Arbeiten, sondern nur das "Who's who" der Preisträger. Immer dieselben Agenturen erhielten Preise, alle anderen seien höchstens Statisten bei der Verleihung. [...]
----------------------------------------------------------
Kreative Exzellenz und die Ironie der Kritiker
SEBASTIAN TURNER, ADC-PRÄSIDENT, SIEHT DIE VORWÜRFE GEGEN DEN CLUB GELASSEN.
Wieso muss sich der Club immer wieder Kritik an seiner Jurierung und aktuell am ADC-Buch 2003 gefallen lassen? Durchschnitt anstatt Exzellenz sei dort ausgezeichnet worden, lautet der Vorwurf. International hätten die Arbeiten aber kaum Chancen. Wie stehen Sie dazu?
Turner: Wir werden so genau beobachtet, weil unsere Arbeit so wichtig genommen wird. Wir können nicht die Leistung einer ganzen Branche schonungslos bewerten und uns dann der Kritik entziehen. Scharfe, engagierte Diskussion ist ein Teil unseres Erfolgs. Und das ist gut so, das Schlimmste, was dem ADC passieren könnte, ist, wenn es keine Diskussion mehr gäbe und man in irrelevanter Einigkeit vor sich hindämmerte.
Gerade ist der ADC aber durch die Website von Rulf Neigenfind in eine öffentliche Diskussion geraten, die nicht unbedingt als Erfolg für den Verband bezeichnet werden kann.
Turner: Wo ein Verband ist, da ist auch eine Wunde. Viele Beiträge auf der Neigenfind-Website sind aber konstruktiv, und das Destruktive ist immerhin meistens noch unterhaltsam.
Auf der Seite von Neigenfind finden sich aber viel mehr Wortbeiträge als auf der ADC-Seite. Entlädt sich da geballter Frust einiger Mitglieder, der beim ADC nicht auf den Tisch kommt?
Turner: Die ADC-Diskussionen werden in den Sektionen und bei unseren Treffen geführt. Da ist meist deutlich mehr los als auf jeder Website. Nahezu alle Fragen, die im Web diskutiert werden, werden bei unseren Treffen behandelt.
[...]
 | [ADC Special vom 20. März 2004] |
Werbung für den ADC
Nie zuvor ist in Werberkreisen die Buchstabefolge A D C so oft genannt, gesprochen und geschrieben worden wie in den ersten drei Monaten des Jahres. Für diesen Schub von Marken-Awareness verantwortlich ist einer, den die ADC Spitze lieber von hinten sieht: Rulf Neigenfind. Der in Paris lebende, in London arbeitende Kommunikationsberater ist seit 1977 Mitglied. Er hat goldene, silberne und bronzene Nägel geholt, aber auch ihn kennt man erst jetzt überall im ADC und wird sich seinen Namen merken. Im Internet hat er unter http://rulf.neigenfind.com eine öffentliche Diskussion angezettelt. 23 000 Besucher blieben seit dem 9. Januar im Schnitt gut neun Minuten auf der Site. Viel besser kann Image-Werbung für so ein elitäres Nischen-Produkt kaum sein. Seinen öffentlichen Kampf gegen die womöglich irreguläre Wahl von Ehrenmitglied Michael Schirner hat Neigenfind aufgegeben. Am Vorabend der Awardsshow aber beantragte er auf der Website des ADC, auf der nächsten Jahresversammlung des Clubs die Wahl des Ehrenmitglieds 2003 und des Kunden des Jahres 2003 nach Gesetz und Satzung zu wiederholen. Mit dem Mann wird der ADC noch viel Spass haben... [Peter Heinlein]
 | [Ausgabe vom 21. März 2004] |
Wir können alles Von Johanna Rüdiger
[...] Dass Scholz & Friends Berlin, die Agentur des ADC–Präsidenten Sebastian Turner, ebenfalls einen golden Nagel für den besten Werbetext für die Anzeige „Testsieger Ulm“ in der Imagekampagne des Landes BadenWürttemberg gewann, dürfte allerdings nicht bei allen in der Werbebranche auf Zustimmung treffen. Die Anzeige kürt beim Vergleich der Metropolen Hollywood, Rio und London das Städtchen Ulm zum Gewinner - schließlich lebte in Hollywood der TV-Hund Lassie, Ulm kann sich aber auf Albert Einstein als ehemaligen Einwohner berufen. Gerade um diese Kampagne hatte es im Vorfeld des 40. ADC-Wettbewerbs viel Wirbel gegeben. Denn die Wahl des Auftraggebers der Kampagne mit dem Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, Staatsminister Christoph Palmer, zum Kunden des Jahres war in der Branche seit Monaten umstritten. Zwar wurde die Werbekampagne seit 1999 national und international schon 17 Mal ausgezeichnet, aber einige Branchengrößen warfen dem ADC Mauschelei bei der Abstimmung im Herbst vor.
Überhaupt scheint der Eliteverein kurz vor seinem 40. Jubiliäum von Querelen und Skandalen gebeutelt zu sein. Gerade rechtzeitig zur gestrigen großen Award-Show konnte der interne Streit um die Gültigkeit der Wahlen zum ADC-Ehrenmitglied 2003 beigelegt werden. Die von dem ADC-Mitglied Rulf Neigenfind angefochtene Wahl von Designprofessor Michael Schirner soll nun auf der nächsten Mitgliederversammlung in einem „satzungskonformen Wahlgang" bestätigt werden. Neigenfind hatte wochenlang mit einer eigens kreierten Webseite gegen die Ehrung von Schirner protestiert. [...]
 | [Ausgabe vom 22. März 2004] |
Einigung wieder in Frage gestellt ADC und Rulf Neigenfind streiten weiter um das Ehrenmitglied Michael Schirner.
Der ADC-Kritiker Rulf Neigenfind stellt die Vereinbarung zwischen ihm und dem ADC nach nur wenigen Tagen wieder in Frage. Offiziell hatten der Art Directors Club und Neigenfind in der vergangenen Woche erklärt, ihren Streit beizulegen. Die Wahl des Ehrenmitglieds Michael Schirner soll im September wiederholt werden. «Wenn ich lese, wie Sebastian Turner die Vereinbarung jetzt schief auslegt,» sagte Neigenfind auf Anfrage, bekomme er zumindest Lust, die Einigung platzen zu lassen. Das sei zwar—rein rechtlich—einseitig gar nicht möglich. Ihn ärgert aber vor allem, dass der ADC-Vorstandssprecher Sebastian Turner statt von der «Wiederwahl» [muss heissen: «Wahlwiederholung», der Webmaster] Schirners gegenüber Kollegen und Presse ständig von einer «Bestätigung» des Ehrenmitglieds spreche. Diese Auslegung der Vereinbarung zeige, dass der Vorstand deren Tragweite entweder nicht verstanden habe oder nicht verstehen wolle.
 | [Ausgabe vom 22. März 2004] |
Den Abend vernagelt Von Johanna Rüdiger
147 Design-Nägel wurden vom „Art Directors Club“ vergeben, vier Stunden dauerte die Verleihung – Pannen inklusive
Pleiten, Pech, Probleme: Die Verleihung der goldenen, silbernen und bronzenen „Nägel“ bei der Show zum 40. ADC-Award des „Art Directors Club“ wollte nicht richtig anlaufen. 2500 Kreative und Werbegrößen warteten im Tempodrom auf die Präsentation der Gewinner. Doch der riesige Bildschirm, auf dem die prämierten Anzeigen und Spots laufen sollten, zeigte nur Flimmern und Rauschen. [...]
Später kam der nächste Lapsus: Staatsminister Christoph Palmer sollte für das Land Baden-Württemberg die Ehrung „Kunde des Jahres“ überreicht bekommen und Designprofessor Michael Schirner als ADC-Ehrenmitglied 2003 auf die Bühne gerufen werden. Doch Moderator Christian Heintzsch von Saatchi & Saatchi vergaß beides – was im Publikum als Revanche gewertet wurde. Denn in der Branche hatte es um diese Ehrungen Streit gegeben.
 | [Ausgabe vom 23. März 2004] |
Wahlwiederholung für Ehrenmitglied
Als sich der Art Director’ s Club (ADC) jetzt in Berlin selber feierte, wurden die besten Kampagnen, Anzeigen und Spots ausgezeichnet. Wie angekündigt, wurde auch der Düsseldorfer Werber Michael Schirner zum Ehrenmitglied des ADC ernannt. Der Berliner Tagesspiegel meldete zwar gestern, der Moderator habe vergessen, Schirner auf die Bühne zu rufen. Doch vom ADC wird offiziell Vollzug gemeldet. Im Vorfeld hatte es erheblichen Streit um das Verfahren und den Kandidaten gegeben. Schließlich einigten sich ADC und der Werber Rulf Neigenfind auf einen Vergleich: Die Wahl Schirners zum Ehrenmitglied soll bei der Mitgliederversammlung im September wiederholt werden.
Neigenfind beauftragte gestern seinen Anwalt, dem ADC eine Abmahnung zu schicken. Schirner könne erst als Ehrenmitglied 2003 bezeichnet werden, wenn und falls ihn die nächste Jahreshauptversammlung des ADC dazu wähle. Der ADC dürfe Schirner noch nicht Ehrenmitglied 2003 nennen. In seiner Laudatio bekundet dagegen Fred Baader: „Michael Schirner wird ADC-Ehrenmitglied des Jahres, weil kein anderer die deutsche Kreativszene so sehr beeinflusst hat, wie er.“ Schirner begann 1974 bei der Düsseldorfer GGK. Rulf Neigenfind fing 1968 bei GGK Basel an und arbeitete von 1973 bis 1975 bei GGK Düsseldorf, von 1977 bis 1982 bei GGK Stuttgart, war Schirner also nie unterstellt. Die Kritik beruhe nicht aus GGK-Zeiten, sondern auf dem „Debakel“ von Schirners Berliner Olympia-Bewerbung. hbr
 | [Ausgabe vom Mai 2004] |
Unter Pudeln Marketing-Kolumne von Ralf Grauel
Kunst provoziert und irritiert. Werbung auch. Aber nichts irritiert mehr als das Gezicke der Werbekünstler beim jährlichen Kreativ-Wettstreit des ADC
Vereine sind Organisationen, die sich um die Interessen ihrer Mitglieder bilden, weil ihnen die gleichen Sachen Spaß machen. Verbände funktionieren ähnlich wie Vereine. Mit dem Unterschied, dass ein Verband statt Spaß wirtschaftliche Interessen organisiert, übersetzt und in andere gesellschaftliche Funktionsbereiche transportiert. Dann gibt es noch Clubs. Clubs sind auch wie Vereine. Mit dem Unterschied, dass Clubs zutiefst ungemeinnützig sind. Clubs nehmen nur auf. Sie geben nichts, außer vielleicht Prestige und Preise.
Der Art Directors Club für Deutschland (ADC) zum Beispiel ist ein Club, der zwar Club heißt, sich selbst aber als „Verein“ oder „Vereinigung“ für Kreative bezeichnet und nach außen wie ein Verband verhält. In den 40 Jahren seiner Existenz ist der ADC von einer lustigen Organelle zur Körperschaft gewuchert. Das Doofe ist, Kopf und Körper verfolgen nicht mehr dieselben Ziele. Von außen betrachtet sieht das, höflich ausgedrückt, furchtbar ungeschickt aus.
Seit 40 Jahren prämiert der Verein kreative Kommunikation. Dafür vergibt er goldene, silberne und bronzene Nägel. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme haben sich die deutschen ADCNägel zu international renommierten Auszeichnungen entwickelt. Nicht so toll wie Cannes-Löwen, aber immerhin. In den Art Directors Club kommt nur rein, wer etwas Kreatives geleistet hat. Entweder man wird zum Ehrenmitglied ernannt oder bewirbt sich mit seinen Arbeiten. Für einen Jahresbeitrag von 370 Euro (Firmen zahlen 1550 Euro) und einer einmaligen Aufnahmegebühr von 520 Euro manifestiert sich der Aufstieg. ADC-Mitglieder sind die vermeintlichen Powerbrands der Werbebranche. Seit einiger Zeit aber setzt sich der Elite-Club mit 428 Mitgliedern für das kreative Wohl der gesamten Werbebranche ein. Der ADC veranstaltet Vorlesungsreihen und lässt sich von einem Vorstandssprecher, Sebastian Turner, vertreten, der keine Chance auslässt, den wirtschaftlichen Wert der „kreativen Exzellenz“ zu predigen. Die soll Werbung lustiger und wirkungsvoller machen.
Doch die meisten in der Werbebranche fühlen sich nun von ein paar schillernden Papageien gekapert, die den kleinen Verein für das Marketing ihrer eigenen Karrieren und Agenturen missbrauchen, indem sie Medaillen, Nägel und Auszeichnungen zu einer Pseudo-Währung aufblasen. „Die Profiteure dieser formidablen PR-Maschine geben Hunderttausende für Einsendungen aus, sollen sogar ganze Units beschäftigen, die nichts anderes tun, als Einsendungen für Wettbewerbe zu produzieren und füllen die Ränge der Mitgliedschaft (und zwangsläufig die Jurys) mit wohl gesonnenem Stimmvieh. Mit dem Effekt, dass am Ende zwangsläufig ein paar Auszeichnungen hängen bleiben.“ Da sagt Rulf Neigenfind, ein in Paris lebender deutscher Werbeberater.
Der Mann hat zwar Schaum vorm Mund, aber auch Recht. Das System der Agenturmarkenführung durch Preise wurde schließlich in Neigenfinds alter Agentur, der Düsseldorfer GGK erfunden. Springer & Jacoby hat es perfektioniert und Jung von Matt dieses Jahr mal wieder inflationiert. 339 Arbeiten reichte Jung von Matt beim ADC ein und gewann damit 64 Auszeichnungen, fast doppelt so viele wie die zweitplatzierte Agentur Springer & Jacoby. Geht man bei dieser imposanten Menge von durchschnittlich anderthalb Motiven pro Einsendung aus (es werden meist mehrere Motive einer Kampagne eingereicht), so summiert sich die Aktion bei einem Durchschnittspreis von 200 Euro pro Einreichung auf rund 100 000 Euro. Ohne Veröffentlichungsgebühr in den Nachfolgemedien, Hotel- und Reisekosten für Mitarbeiter.
Nun gut, Werbeagenturen machen keine Eigenwerbung. Auszeichnungen sind Marketing. Nur werden diese Preise oft mit unechten Kampagnen gewonnen, die eigens für Wettbewerbe geschmiedet werden. Erst kommt die Idee, dann wird ein Kunde gesucht. So kommen Bäckereien, Schuhgeschäfte, Huthändler und Tätowierstudios, aber auch Hilfsorganisationen zu ulkigen, weltweit prämierten Markenkampagnen.
Mit den Preisen werden auch der Kunde und das Ehrenmitglied des Jahres 2003 gekürt. Kunde des Jahres wurde nicht wie erwartet Audi, sondern das Land Baden-Württemberg. Und das ist Kunde bei der Agentur Scholz&Friends des ADC-Vorstandssprechers Sebastian Turner. Zum Ehrenmitglied wurde der Ex- GGK-Kreativchef Michael Schirner ernannt. Lange überfällig, fanden viele. Ein Skandal fanden andere, auch Rulf Neigenfind.
Neigenfind arbeitete gerade an einem Buch über die vergeigte Olympia-Bewerbung Berlins im Jahre 1991, an der Schirner und zwei Ex-GGK-Kollegen maßgeblichen und profitablen Anteil hatten, als er erfuhr, dass eben jener Schirner nun in den deutschen Werbe-Olymp gehoben werden sollte.
Auch unter Pudelzüchtern gibt es Neid und Missgunst - aber Werber, so heißt es, sind eigentlich intelligente Menschen
Von Schirner stammt das Postulat „Werbung ist Kunst“. Ende der Siebziger war das revolutionär und Schirner einer der schillerndsten Vertreter seiner Zunft. Das andere Label jedoch, das dem Erfinder der Hamburger Karnevalsorgie „LiLaBe“ ebenfalls anhängt, ist das eines Plagiators. Schirner hat sich mehr als einmal bei jenen Künstlern bedient, die er so bewunderte. Oder er schmückte sich komplett mit fremden Federn, was Kreativ- Kollegen ihm sogar einmal gerichtlich untersagten. Der Fall Schirner ist bestens dokumentiert. Denn Rulf Neigenfind richtete über Weihnachten eine Website ein, die er im Januar unter http://rulf.neigenfind.com/ online stellte, er fügte ein Diskussionsforum an und forderte Neuwahlen. Anfangs bewunderte die Branche noch die manische Akribie, mit der Neigenfind „die verlorene Ehre des ADC“ anprangerte, doch je lauter der ADC zu den Vorwürfen schwieg, umso bunter, sportlicher und aggressiver richteten sich die Wortbeiträge gegen den Kreativ-Club. Das Forum entwickelte sich zum Zentrum der Website. Aus einer Nabelschau wurde ein Aufstand gegen den ADC.
Die Zwischenbilanz: demonstrative Austritte von Alt-Mitgliedern wie dem Fotografen Ben Oyne, dem Ex-Vorstandsmitglied Reinhard Siemes und Springer-&-Jacoby-Mitgründer Holger Nicolai. Die Wahlen zum Kunden des Jahres und des Ehrenmitglieds müssen tatsächlich wiederholt werden - Neigenfinds Anwalt hatte Unregelmäßigkeiten bei der Wahl festgestellt. Und ein umstrittener Herzinfarkt eines in Erklärungsnot geratenen Vorstandsmitglieds.
Angeschlagen ging die Branche in die Preisverleihung Ende März in Berlin. Der Jury-Vorsitzende Werner Butter schmiss eine Fake-Kampagne, die keine war, aus der Wertung. Bei einer anderen Kampagne sorgte er dafür, dass der Künstler, von dem abgekupfert wurde, als Kreativchef eingesetzt wurde. Englische Kampagnen wurden von deutschen Agenturen eingereicht und ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung versagte die Technik. Die gesamte Programmplanung knallte auseinander. Ungerecht, peinlich, irrational.
Der Höhepunkt dürfte der Auftritt des Noch-Saatchi & Saatchi Kreativchefs Carsten Heintzsch gewesen sein. Heintzsch hatte in den vergangenen Jahren die Verleihung prima moderiert. Das sollte er auch dieses Jahr wieder tun. Heintzschs Leib-Kunde ist aber Audi, und der Konzern wurde nicht Kunde des Jahres. Erst muss sich Heintzsch ordentlich einen hinter die Binde gegossen haben. Dann gab er zusammen mit einem schuluniformierten Mädchenchor den Rolling-Stones-Hit „You can’t always get what you want“ zum Besten. Danach nuschelte sich der Kommunikationsstratege so lange durch das Programm, bis er beim „Kunden des Jahres“ den Noch-Audi-Marketingleiter Michael Trautmann auf die Bühne rief - wir erinnern uns: Kunde des Jahres war Baden-Württemberg. Diesen wohl geplanten Fehler beging Heintzsch danach noch einmal - vor 2500 geladenen Gästen.
Auch erfolgreiche Pudelzüchter erlangen unter Pudelzüchtern Ansehen, Berühmtheit, Neid und Missgunst. Werber sind eigentlich intelligente Menschen. Wieso tun die das? „Kreative müssen ihr Berufsleben lang weiße Blätter auf Kommando mit Ideen, Texten, Bildern und Filmen füllen. Das treibt viele an den Rand ihrer Existenz. Den Punkt, an dem man sich selbst in Frage stellt, erreicht man in dieser Branche vielleicht öfter als in anderen“, sagt Rulf Neigenfind. „Weil sie in ihrer Kindheit von einer bestimmten Sache viel zu wenig und von einer anderen Sache viel zu viel bekommen haben“, sagt ein Kontakter. „Mir egal“, sagte ein Kunde nach der Verleihung, „ich weiß jetzt wie ich das ganze Trara um Kreativität und Preise zu bewerten habe: gar nicht.“
 | [Ausgabe vom 17. Juni 2004] |
ADC sucht neuen Vorturner
Der Art Directors Club für Deutschland (ADC) muss sich im Herbst einen neuen Vorstandssprecher suchen. Sebastian Turner, der die Position vier Jahre lang innehatte, tritt nicht wieder an. "Meine Ziele sind größtenteils erreicht. Es ist Zeit für ein frisches Gesicht", begründet der Co-Vorstandsvorsitzende von Scholz & Friends seinen Entschluss.
Insider weisen jedoch darauf hin, dass nach den Diskussionen um die Kür des ADC-Ehrenmitglieds (Michael Schirner) und den Kunden des Kahres (Baden-Württemberg) die Wiederwahlchancen Turners gesunken sein dürften. Der freiwillige Verzicht könnte also auch als elegante Form des Rückzugs interpretiert werden. Turner will sich künftig als einfaches Vorstandsmitglied dem Ausbau des ADC-Instituts widmen.
 | [Ausgabe vom 26. August 2004] |
Spiesser Alfons
[...] Des Spießers Tipp, den streitbaren Rulf Neigenfind als Häuptling zu wählen, werden die ADC-Indianer nicht ernst nehmen.
 | [Ausgabe vom 11. Oktober 2004] |
Rulf Neigenfind stellt provokante Anträge zur Jahreshauptversammlung des ADC.
Rulf Neigenfind setzt den Art Directors Club Deutschland (ADC) erneut unter Druck. Mit zahlreichen Anträgen, die der in Paris lebende Kreative und ADC-Kritiker am 30. Oktober zur Jahreshauptversammlung des Verbandes einbringen will, möchte Neigenfind die "Demokratie-Willigkeit und -Fähigkeit" des ADC auf die Probe stellen. Unter den exakt 13 Anträgen befinden sich allein neun Vorschläge, wen der ADC statt Michael Schirners zum Ehrenmitglied wählen sollte. Neigenfind nennt unter anderem Werner Butter, Pierre Mendell und Uwe Ortstein. Diese seien allesamt weitaus "ehrwürdiger" als Schirner. Überdies habe sich der ADC im Vergleich vom 11. März 2004 verpflichtet, das Ehrenmitglied 2003, Michael Schirner, durch eine gesetzes- und satzungskonforme Wiederholung der Wahlen auf der nächsten Jahreshauptversammlung bestätigen zu lassen. Das bedeute, dass das Ehrenmitglied 2003 durchaus neu gewählt werden könne. Besonders wichtig ist Neigenfind, dass die Wahl geheim stattfindet. Dem Thema hat er einen eigenen Antrag gewidmet. "Die bisherigen Wahlen fanden stets geheim statt."
Außerdem will Neigenfind den ADC am 30. Oktober dazu auffordern, die Audi AG anstatt Baden-Württemberg zum "Kunden des Jahres 2003" zu wählen. Die Kampagne sei nicht satzungs- und gesetzeskonform bestimmt worden. Schließlich fordert Neigenfind die Berufung von Rechnungs- und Wahlprüfern, um Transparenz in das Finanzgebaren des Verbandes zu bringen und zu verhindern, dass bei der Zusammensetzung von Jurys und Mitgliederabstimmungen Unregelmäßigkeiten auftreten.
Der ADC reagiert gelassen auf Neigenfinds Vorstoß. "Wir freuen uns über soviel Engagement", sagt Verbandssprecher Sebastian Turner. Unter den genannten Personen seien "ausgezeichnete Vorschläge", die man gerne für die Zukunft aufnehme. Für 2003 allerdings kämen sie etwas spät. Im Übrigen hat Turner nichts gegen die Berufung von Rechts- und Wahlprüfern. "Es spricht nichts dagegen, die Hose mit Gürtel und Hosenträger gleichzeitig zu befestigen. Es wäre nur schön, wenn wir dann nicht aus der gleichen Ecke zu hören bekommen, wir würden zu sehr formalisieren." Der ADC will die Anträge jetzt prüfen.
 | [Ausgabe vom 28. Oktober 2004] |
Mini und Hornbach sind die Favoriten bei der ADC-Wahl zum Kunden des Jahres
[...] Wie w&v mehrfach berichtete, gab es vergangenes Jahr Ärger mit den beiden Wahlen. ADC-Mitglied Rulf Neigenfind hatte sowohl die Wahl von Michael Schirner zum Ehrenmitglied 2003 als auch die von Baden-Württemberg zum Kunden des Jahres wegen Formfehler angefochten. Beide Wahlen müssen bei der kommenden Hauptversammlung wiederholt werden. Über das Wie herrscht allerdings Uneinigkeit. Während die ADC-Führung eine einfache Bestätigung der vergangenen Wahlen für ausreichend hält, beharrt Neigenfind auf eine vollständige Wiederholung. Er hat zu diesem Zweck Gegenkandidaten eingereicht. Sollte keine vollständige Wahlwiederholung erfolgen, droht er mit einer Feststellungsklage vor Gericht.
 | [Ausgabe vom 28. Oktober 2004] |
"Konflikte bewirken Veränderungen"
Von Clubquerelen und selbstheilenden Kräften: ADC-Vorstandssprecher Sebastian Turner zieht am Ende seiner vierjährigen Amtsperiode Bilanz [Ausschnitte]
Horizont: Es gab ja zum Teil auch sehr persönliche Kritik an Ihnen. In der Öffentlichkeit sind Sie damit professionell und distanziert umgegangen. Wie stark hat Sie das als Person tangiert?
Turner: Es gibt zwei Arten von Kritik. Wenn man auf einer Website anonym angepflaumt wird, ist man ein Symbol, das angegriffen wird - ein Nebengeräusch, wenn man eine Organisation vertritt. Das ist ein Zeichen von Wirkung, das geht in Ordnung. Wenn mich dagegen ein Kollege direkt kritisierte, habe ich Kontakt mit ihm aufgenommen. Das ist eigentlich immer sachlich und vernünftig ausgegangen. Ich habe auch erstaunlich positives Feedback erhalten und ich wurde oft gefragt, ob ich nicht doch weitermachen will. Diese Seite gibt es also auch, nur ist sie nicht so öffentlich.
Horizont: Was hat Sie als ADC-Sprecher am meisten genervt?
Turner: Die Reibungen, die sich aufgrund von Kommunikationsfehlern und persönlichen Animositäten zwischen den Clubmitgliedern ergeben haben. Was Michael Schirner angetan wurde, ist nicht akzeptabel. Es ist eine Schwäche eines offenen Vereins, dass er so etwas ertragen muss.
Horizont: Welche Schwächen hat der ADC noch?
Turner: Der ADC ergreift die Menschen in einer solchen Leidenschaft und hat für sie eine solche Bedeutung, dass oft Dinge persönlich werden, die niemals persönlich werden müssten. Aber die selbstheilende Kraft ist auch enorm.
Horizont: Das ist also Stärke und Schwäche zugleich?
Turner: Ja. Das sind die zwei Seiten der Medaille. Die Art und Weise, wie sich die Mitglieder identifizieren ist einfach unglaublich.
 | [Ausgabe vom 1. November 2004] |
Michael Preiswerk ist neuer ADC-Sprecher
[...] Im vergangenen Jahr gab es heftige Diskussionen um das auf der Mitgliederversammlung gewählte Ehrenmitglied Michael Schirner. ADC-Mitglied Rulf Neigenfind, der als langjähriger Kontrahent Schirners gilt, zweifelte die Richtigkeit der Wahl aufgrund von Formfehlern an und bestand auf einer Wiederholung während der diesjährigen Hauptversammlung. Eine rechtliche Prüfung hat daraufhin ergeben, das die Wahl ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Es gab demnach keine Wiederholung - dennoch wurde Schirner am vergangenen Samstag noch einmal mit Ovationen gefeiert, was einer neuerlichen Bestätigung seines Titels nahe kommt. Neigenfind, der auf seiner Homepage ein Diskussionsforum gegen Schirner initiiert hatte, will die Mehrheit der Mitglieder dagegen nicht mehr im Club haben. Während der Versammlung wurde beantragt und beschlossen, ihn aus dem ADC auszuschließen. Der Vorstand wird nun ein ordentliches Ausschlussverfahren gegen ihn einleiten.
 | [Ausgabe vom 1. November 2004] |
Preiswerk ist ADC-Sprecher
[...] Für ADC-Mitglied Rulf Neigenfind dürfte es übrigens die letzte Mitgliederversammlung sein. 80 Prozent der anwesenden Kreativen votierten für seinen Ausschluss aus dem Verband. Hintergrund ist Neigenfinds PR-Feldzug gegen Michael Schirner und dessen Wahl zum Ehrenmitglied des ADC. 'Eine regelrechte Hetzschlacht', wie Sebastian Turner kritisierte. Schirners Ehrenmitgliedschaft, die Neigenfind vergeblich angefochten hatte, wurde nun nochmals bestätigt. Der neue ADC-Vorstand wird gegen Neigenfind nun ein förmliches Ausschlussverfahren einleiten.
 | [Ausgabe vom 2. November 2004] |
Einen wählen - drei bekommen
[...] Die Nase voll hatten die Kreativen übrigens von Lästermaul Rulf Neigenfind, der seit Monaten gegen Ehrenmitglied Michael Schirner wettert. Der ADC beschloss, Neigenfind auszuschließen und bestätigte Schirner nochmals. Der Antrag auf Ausschluss Neigenfinds wurde mit nur 5% Gegenstimmen angenommen.
 | [Ausgabe vom 4. November 2004] |
ADC besetzt das Thema integrierte Kommunikation
[...] Um Vorjahres-Ehrenmitglied Michael Schirner gab es Anfang des Jahres heftige Diskussionen. ADC-Mitglied Rulf Neigenfind, der als langjähriger Kontrahent Schirners gilt, zweifelte die Richtigkeit der Wahl aufgrund von Formfehlern an und bestand auf einer Wiederholung während der diesjährigen Hauptversammlung. Eine rechtliche Überprüfung ergab, dass die Wahl ordnungsgemäß durchgeführt worden war. Dennoch sollte Schirner wie mit Neigenfind vereinbart noch einmal als Ehrenmitglied 2003 bestätigt werden. Bei der Hauptversammlung wurde darauf jedoch verzichtet.
Neigenfind, der auf seiner Homepage ein Anti-Schirner-Forum initiiert hatte, wollen die Mitglieder künftig nicht mehr im Club haben. Während der Versammlung wurde beantragt und mehrheitlich beschlossen, ihn aus dem ADC auszuschließen. Der Vorstand wird nun ein ordentliches Ausschlussverfahren einleiten
 | [Ausgabe vom 4. November 2004] |
Abschied vom Werberclub
[...] Einigkeit demonstrierten die ADCler im Fall Rulf Neigenfind. Mit großer Mehrheit bei rund fünf Prozent Gegenstimmen votierten sie für den Ausschluss des Kollegen. Das Clubmitglied hatte dem ADC vorgeworfen, die Wahl von Michael Schirner zum Ehrenmitglied 2003 sei wegen eines Formfehlers ungültig. Neigenfind hatte Schirner auch persönlich angegriffen
 | [Ausgabe vom 13. Dezember 2004] |
ADC: Neigenfind soll endgültig ausgeschlossen werden
Der ADC will Rulf Neigenfind nun endgültig aus dem Verband ausschließen. Aus der Begründung heißt es von ADC-Vorstand Michael Preiswerk, Neigenfind sei vereinsintern, öffentlich und gerichtlich gegen die Wahl zum Ehrenmitglied und zum Kunden des Jahres 2003 vorgegangen. "Dieses Vorgehen ist geprägt von Schmähungen des Vereins, des Vorstands und vor allem des Ehrenmitglieds Michael Schirner. Durch die öffentliche Zugänglichmachung dieser Schmähungen auf Ihrer Internetseite haben Sie bewusst den Kreis der Vereinsmitglieder verlassen." Zudem habe Neigenfind dem Verein durch sein Verhalten einen erheblichen materiellen Schaden zugeführt. "Der Verein behält sich ausdrücklich vor, Sie auf Erstattung dieser Kosten in Anspruch zu nehmen." Die Fortsetzung der Mitgliedschaft sei schließlich aber auch deshalb nicht weiter möglich, weil Neigenfind durch seine permanenten Vorhaltungen, Vorwürfe und Vorstöße das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Verein zerrüttet habe.
Neigenfinds Kommentar dazu: "Aus Freundschaft habe ich Michael Preiswerk angeboten, diesen von einem Anwalt so grandios daneben formulierten Schrieb zurückzuziehen und ihn durch einen anständigen Kündigungsbrief zu ersetzen, einen, auf den wir beide und der ADC stolz sein können. Leider wollte er nicht darauf eingehen." Die Vorwürfe hat Neigenfind im Einzelnen bestritten.