Der ADC-Vorsitzende pflegt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu verkünden, Deutschlands kreative Potenz sei nun auch international durchaus wettbewerbsfähig geworden.
Beweis dafür sei die zunehmende Anzahl der Auszeichnungen, die deutsche Einsender bei internationalen Wettbewerben erhielten. Dabei verschweigt er, dass es sich dabei in der Regel um halbseidene Kampagnen für Express-Bäcker oder Schnell-Frisöre an Berliner oder Hamburger Strassenecken handelt.
Nun aber hat ein deutsches Team tatsächlich soeben einen der begehrtesten Kreativpreise der Welt gewonnen: einen goldenen Pencil der Designers' and Art Directors Association in London (für diejenigen, die es nicht wissen: ein Gold-Pencil des DADA verhält sich zu einer ADC-Goldmedaille ungefähr wie ein Pommery-Champagner zu einem Rotkäppchen-Sekt).
Ausgezeichnet wurde das "Schiff der Ideen" des Atelier Markgraph. Die Juroren des britischen Wettbewerbs haben darin offenbar etwas gesehen, was den Juroren des deutschen Wettbewerbs verborgen geblieben sein muss. Denn das "Schiff der Ideen", das auch zum diesjährigen ADC-Wettbewerb eingeschickt wurde, bekam hier weder Gold noch Silber, sondern "nur" Bronze-- und das trotz der beim ADC gepflegten Inflation der Auszeichnungen.
Die Dimension des Erfolgs des Atelier Markgraph lässt sich eigentlich nur ermessen, wenn man bedenkt, dass dieses Jahr überhaupt nur zwei Gold-Pencils vergeben wurden. Und dass die Konkurrenz nicht nur sechsmal grösser als beim ADC-Wettbewerb war, sondern die Aussichten auf eine Auszeichnung vierzigmal geringer waren.
Berliner Masse, Londoner Exklusivität | ||||
| Einsendungen | Auszeichnungen | Prozent | Gold | |
| ADC 2004 | 3.660 | 400 | 10,92% | 11 |
| DADA 2004 | 23.000 | 53 | 0,23% | 2 |
Leider muss man wohl davon ausgehen, dass diese britische Lektion in Sachen kreativer Qualität gegenüber klientelistischer Quantität beim deutschen ADC wieder einmal ungelernt bleiben wird. Verfasst von Rulfer am 27.05.04 10:52