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DAS EHRENMITGLIED
DIE VERLORENE EHRE DES ADC.

Am 13. September 2003 haben die 77 Teilnehmer an der Hauptversammlung des ADC den «stilprägenden Texter und Professor für Grafik-Design Michael Schirner» (ADC-Pressemeldung) zum neuen Ehrenmitglied gewählt.

Die restlichen 333 ADC-Mitglieder scheinen das in Ordnung zu finden. Denn es herrscht Stille im Verein.

Derart unterentwickelt ist das Ehrgefühl unter uns, die wir doch auf unsere «kreative» Produktionskraft so stolz sind, dass ausgerechnet ein wegen Ideenklaus rechtskräftig Verurteilter es bei uns zum Ehrenmitglied bringen kann—ohne dass dem ADC eine Zacke aus dem Logo bricht.

Schlimmer noch:

Der ebenfalls zur Wahl stehende Werner Butter, unbestritten einer der ganz Grossen der deutschen Werbung—mit einem kreativen Gesamtwerk, das jenes des Ehrenmitglieds 2003 aber mal locker in den Schatten stellt—bringt im heutigen ADC nur mehr eine beschämende Minderheit hinter sich.

Das neue Ehrenmitglied hingegen, seit drei Jahrzehnten eine der oberpeinlichen Figuren der Branche und von W&V einst zum «Verlierer des Jahres» gekürt, kommt im heutigen ADC mit «grosser Mehrheit» durch.


Begründung: «Keiner hat die deutsche Kreativszene so beeinflusst wie Michael Schirner» (ADC-Pressemeldung).

Als ob es einen Vilim Vasata, einen Jürgen Scholz, einen Helmut Schmitz, einen Werner Butter, einen Wolf Rogosky, einen Michael Conrad, einen Walter Lürzer und andere höchst eminente Beeinflusser nie gegeben hätte.

Nach den Peinlichkeiten des abgelaufenen Jahres—das prätenziös-pubertäre Annual, der groteske Kunde des Jahres, der demonstrative Austritt des Reinhard Siemes—ist diese «Ehrung» dann doch das Letzte.

Aber das Letzte muss man ja nicht immer tatenlos hinnehmen. Man kann sich auch zu einer Kampagne gegen diese skandalöse Miss-Wahl aufraffen. Unter Demokraten ist es nämlich durchaus möglich, jemanden nicht nur zu wählen, sondern auch abzuwählen.

Dazu muss wohl eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen werden, die von einem Quorum beantragt werden muss. Angesichts der Dinger, die das Ehrenmitglied alles gedreht hat, sollten doch die 41 Leute zu mobilisieren sein, die zur Ehrenrettung des ADC nötig sind.

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