WELCHE FINDEN SIE AM PEINLICHSTEN? UND WELCHE MÜSSEN NOCH AUF DIE LISTE?
| Ehrenmitglieder werden in der Regel für ihr Gesamtwerk geehrt. Das hat jedoch die unangenehme Eigenschaft, nicht nur die Glanzleistungen, sondern auch die Peinlichkeiten zu umfassen, die einem beim Werken und Wirken so passieren. Das Ehrenmitglied 2003 gehört zu jenen, die vor keiner Peinlichkeit zurückschreckten, so lange sie ihm genügend Publizität verschaffte—je mehr Rummel, desto mehr Ruhm. Hier nur eine kleine Auswahl davon, die aber für ein Spielchen unter uns ausreichen sollte. Jede der herausragenden Leistungen hat von Haus aus einen Schmerzfaktor von 3 rosa Zahnrädern. Sie können den Schmerzfaktor erhöhen, indem Sie Ihre Stimme für die Ihrer Meinung nach peinlichste Meisterleistung abgeben. Je nach Stimmenzahl werden dann neue rosa Zahnräder hinzugefügt (Aktualisierung alle 24 Stunden). Neue Vorschläge sind herzlich willkommen. Zu gewinnen gibt’s aber nichts. |
| BERLIN OLYMPIA 2000: Mit einer Blindenbinde als Logo und «Einfällen» à la jeden Freitag um zwölf eine Minute lang hupen oder wer sein Töchterchen «Olympia» nennt, kriegt was geschenkt, vier bis fünf klotzigen Anzeigen sowie dem «kreativ» kaum zu übertreffenden Superslogan «Auf die Plätze: fertig: los!» wurde Berlins Olympia-(Be)Werbung bereits eine halbe Stunde nach ihrem Start zur grenzüberschreitenden Lachnummer. Da das Ehrenmitglied nach eigener Aussage 5 Monate mit 15 Kollegen Tag und Nacht dafür schuften und hirnen musste, schien das in 5 Monatsraten gezahlte Honorar von 935.000 Mark zu bescheiden gewesen zu sein, denn das Ehrenmitglied wollte den «kreativen» Unfug nur gegen ein Lösegeld von schlappen 3,8 Millionen Mark vorzeitig beenden. Und Berlin löhnte—wahrscheinlich aus dem Etat der Stadtreinigung. Wer mehr Informationen über das unsägliche Berliner Olympia-Debakel verträgt, darf hier klicken. Auf eigene Gefahr. |
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DER LETZTE SCHREI: Wie gewinnt ein grosses Modekaufhaus die jungen, modernen, modebewussten Konsumenten (wieder) zurück? Indem der «Guru der modernen Werbung» die armen jungen Leute mit einem Slogan erschreckte, den unsere Vorfahren einst für schicke Anziehware gebrauchten: «Der letzte Schrei!». Und wie wird sowas von einem hochdekorierten Kreativgenie visualisiert? Mit schreienden Gesichtern natürlich! In Anzeigen, Plakaten und Filmen sah man Leute, an denen sich anscheinend gerade ein Dentist zu schaffen machte, so natürlich sah das aus. Schon damals hatte dieser Mann unverkennbar das stilbildende Zeug zum ADC-Ehrenmitglied! Die Brenninckmeiers sorgten allerdings schnell dafür, dass dieser Kampagne das Geschrei im Halse steckenblieb. Und C&A-Werbung fortan wieder im Hause gemacht wurde.
SCHMERZFAKTOR:
LAUTER DUMME «LEUTE»: Das vielfach und an zahlreichen ahnungslosen Werbekunden immer wieder erprobte Erfolgsrezept des Ehrenmitglieds («Die beste Voraussetzung, um gute Werbung zu machen, ist, dass man nicht zuviel vom Produkt versteht») zeigte seine werbegeldverpuffende Effizienz auch in der Kampagne für das schnell verblichene G+J People-Magazin «LEUTE». Da versprach das Ehrenmitglied in einer vollmundigen Sechs-Millionen-Kampagne, was die Druckware dann nicht halten konnte. Und deshalb an den Kiosken mit Kaufenthaltung abgestraft wurde. Das Ehrenmitglied hatte den Schuldigen an dem Fiasko schnell geortet: «Das Publikum begriff leider nicht, dass es das Heft kaufen musste, damit es die schöne Werbung weiter sehen konnte.». Werbung göttlich, Publikum dämlich, Produkt tot—eine Einstellung, mit der man ein paar Jahre später Ehrenmitglied beim ADC werden kann.
SCHMERZFAKTOR:
DIE MUSIKALISCHE FOLTER: Reduziert mag es das Ehrenmitglied auch, wenn keine Werbung, sondern unschuldige Musik im Spiel ist. «Die Idee zu POPE [engl. «Papst», nota bene!] ist einfach: Wir spielen Stücke, die wir mögen, und zerstören sie, so gut wir können,» so das Ehrenmitglied mit lapidarem Stolz. «Was im Endeffekt aber rausgekommen ist,» schreibt der dem Hörsturz knapp entronnene Musikkritiker, «ist nicht nur nahezu un-hörbar, sondern auch billig. Es hört sich an, als wenn man eine kaputte CD eingelegt hat [...]. Einige Tracks wurden dann nachträglich noch mit diversen Beats unterlegt, um sie zumindest etwas konventionell klingen zu lassen. Ansonsten ist kaum Schema zu erkennen, manche Bruchstücke erkennt man wieder, andere sind zu kurz dazu. Man ist da mit den Nerven ziemlich schnell am Ende. Selten ein so gründlich misslungenes Experiment gehört.»
→ Hier noch zwei Beiträge dazu.
SCHMERZFAKTOR:
NIMM MICH: Dass kreative Feingefühl des Ehrenmitglieds ging wohl mit ihm durch als er von unschuldiger Kinderhand folgende Schlagzeile auf Grossplakate kritzeln liess: «Nimm mich. Meine Mami muss arbeiten.» Eine Kampagne für pädophile Abenteuerreisen nach Bangkok? Mitnichten—eine Aktion für den Pflegekinderdienst der Stadt Düsseldorf. Nur die üblichen Perversen und Miesepeter kamen damals drauf, dass dieser geniale Spruch einen fatalen Doppelsinn haben könnte.
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DER UNVERHINDERTE KÜNSTLER: «Er ist ein Künstler. Keiner, der ersatzweise Werbung macht, weil es für die freie Kunst an Talent oder Mut fehlt,» schmachtet die ADC-Pressemeldung. Ein Beispiel seines talentierten, mutigen Kunstschaffens eroberte sogar die Wände eines deutschen Kunstmuseums. Es handelte sich um hochgeblasene—nein, nicht mit der geliebten Reprokamera, sondern mit dem geölten Pinsel—Künstlersignaturen, die dort ihr metaphysisches Werk verrichten sollten. Dem irritierten Publikum wurden die Werke zum Schnäppchenpreis von 995.000 Mark angedient. «Meine Gemälde [sic!] sind teurer als Arbeiten von Beuys, Lüpertz und Baselitz, weil ich an die Preise für konzeptuelle Arbeiten gewöhnt bin, die in der Werbung gezahlt werden,» gab das Ehrenmitglied, bescheiden wie immer, zum Besten.
SCHMERZFAKTOR:
WENN DER PAPST SPRICHT: «Die Adligen und Kirchenfürsten der Vergangenheit sind heute die Wirtschaftsfürsten, die Mäzene, die Werbekünstler beauftragen, die Grösse, die Klugheit und die Taten der Unternehmen allen sichtbar darzustellen. [...] Und den Textern und Art-directors in den Agenturen rief ich zu: 'Begreift, dass Ihr die Raffaels von heute seid und Eure Plakate, Anzeigen, Filme die Skulpturen und Paläste des ausgehenden 20. Jahrhunderts.' [...] Den Kontaktern, den Kaufleuten in den Agenturen, sagte ich, dass sie Kunsthändler sind, weil sie die Agenten oder Galeristen der Werbe-Künstler seien. Die Media-Leute, die dafür sorgen, dass die Werbe-Kunst in den Medien/Museen ausgestellt wird, ernannte ich zu Museumsdirektoren. Die Marketing-Leute ernannte ich zu Kunsthistorikern; das historische an ihnen ist ihr altmodisches Instrumentarium, die Strategien, Positionierungen, Marktmodelle etc., mit denen sie der Werbung den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben wollen. Da aber gute Werbung sowieso ohne sie auskommt, machen Marketing-Leute L’art pour l’art.» Das Ehrenmitglied in «Werbung ist Kunst», Originalton.
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